Leseproben

Vorab    (S. 7)

Als Emrah, Nec­met­tin und Hali­na in den 90er Jah­ren in mei­ner Klas­se waren, mach­te ich mir weni­ge Gedan­ken über ihre Erst- und Zweit­spra­che. Spe­zi­el­le sprach­li­che För­de­rung fand dar­um nicht statt. Und ich war als Leh­re­rin kei­ne Ausnahme.

 

Sid­di­qual­la, Kon­stan­ti­nos und Ragad an unse­rer Schu­le haben es heu­te leich­ter. Meis­tens wenigs­tens. Denn mit den PISA-Stu­di­en seit Anfang 2000 ist das Bewusst­sein für die Schwierig­keiten von Schü­le­rin­nen und Schü­lern mit Deutsch als Zweit­spra­che (DaZ) geschärft wor­den. Doch immer noch fehlt es Leh­ren­den an Kom­pe­ten­zen, Kin­der und Jugend­li­che in die­sem Bereich aus­rei­chend zu unter­stüt­zen. Und es fehlt an Unterrichtszeit.

 

Gera­de jetzt, wo wir Flücht­lings­kin­der in unse­re Schu­len auf­neh­men, in Regel­klas­sen oder Vorberei­tungsklassen, brau­chen wir beson­ders vie­le in Deutsch als Zweit­spra­che aus­ge­bil­de­te Leh­re­rin­nen und Leh­rer mit Ver­ständ­nis und Fein­ge­fühl für die Kin­der und Jugend­li­chen, die ihre Hei­mat ver­lo­ren und zum Teil Furcht­ba­res auf der Flucht erlebt haben.

Die­ses Hand­buch „Deutsch als Zweit­spra­che“ wen­det sich vor allem an Refe­ren­da­rIn­nen, aber auch an Leh­re­rIn­nen. Inner­halb des Stu­di­ums hat das The­ma zwar an Bedeu­tung gewon­nen, aber ich gehe davon aus, dass nur weni­ge über ein pro­fun­des theo­re­ti­sches Wis­sen zu die­sem The­ma ver­fü­gen. Des­halb ent­hält die­ses The­men­heft sowohl Theo­re­ti­sches als auch Praktisches.

Pro­fes­sio­nel­les Wis­sen und Kön­nen ist das Eine, per­sön­li­che Ein­stel­lung und Enga­ge­ment das Ande­re. Eine Leh­re­rin mit deut­schen Wur­zeln, in Usbe­ki­stan gebo­ren, mit sie­ben Jah­ren nach Deutsch­land gekom­men und gleich ein­ge­schult, for­dert von uns: „Die Leh­rer soll­ten mal anfan­gen umzu­den­ken, nicht nur sehen, das ist jetzt ein Migra­ti­ons­kind und irgend­wel­che Arbeits­blät­ter aus­pa­cken, sie dem Kind geben und sagen: ‚Arbei­te, und dann kannst du Deutsch.´ So funk­tio­niert das ein­fach nicht.“ Wie dann?

 

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